DE/680115 - Brief an Hayagriva geschrieben aus Los Angeles



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Letter to Hayagriva (Page 2 of 3)
Letter to Hayagriva (Page 3 of 3)


A.C. BHAKTIVEDANTA SWAMI
Camp: I.S.K.C.O.N. Radha Krishna Temple
5364 W. Pico Blvd., Los Angeles, Cal. 90119


11. Januar 1968


Mein lieber Hayagriva,

Bitte nimm meinen Segen an. Ich habe deinen Brief vom 10. Januar 1968 erhalten; er ist sehr nett. Ich finde keinen grundsätzlichen Unterschied in der Philosophie. Von Anfang an habe ich immer gepredigt, dass wir im Grunde keinen Unterschied zwischen den Christen, den Mohammedanern, den Hindus oder den Buddhisten, den vier Hauptreligionen der Welt, haben. Aber es gibt eine Klasse, die Unpersönlichkeitsanhänger, die wir als Atheisten betrachten. Die Atheisten sagen ausdrücklich, dass es keinen Gott gibt, und die Unpersönlichkeitstanhänger sagen, dass es vielleicht Gott gibt, aber er hat keine Form. Indirekt bedeutet das, daß es keinen Gott gibt. Ich bin sehr froh, in deinem Brief den schönen Satz zu lesen: "Mein Hauptanliegen ist es, Ihn ständig in meinem täglichen Leben zu sehen, das heißt, mich ständig an Ihn zu erinnern und Ihn nicht zu vergessen." Das ist eigentlich das Krishna-Bewusstsein. Wir können uns in jedem Moment an Krishna erinnern. Wir können uns an Krishna erinnern, wenn wir ein Glas Wasser nehmen, denn der Geschmack des Wassers ist Krishna. Wir können uns an Krishna erinnern, sobald wir morgens das Sonnenlicht sehen, denn das Sonnenlicht ist eine Reflektion von Krishnas körperlicher Ausstrahlung. Ebenso können wir uns an Krishna erinnern, sobald wir abends das Mondlicht sehen, denn das Mondlicht ist ebenfalls eine Reflexion des Sonnenlichts. In ähnlicher Weise können wir uns an Krishna erinnern, wenn wir irgendeinen Klang hören, denn Klang ist Krishna, und der vollkommenste, transzendentale Klang ist Hare Krishna, den wir 24 Stunden lang chanten müssen. Es gibt also keinen Spielraum, Krishna in irgendeinem Moment unseres Lebens zu vergessen, vorausgesetzt, wir praktizieren auf diese Weise. Die Gesellschaft für Krishna-Bewußtsein ist dafür gedacht, diese Philosophie in der ganzen Welt zu predigen, und ich war sehr glücklich, deine Mitwirkung zu erhalten, und ich bin immer noch hoffnungsvoll, daß die Philosophie der Bhagavad Gita als Wissenschaft Gottes von dir und all deinen Gottbrüdern gepredigt werden kann.

Was das Manuskript betrifft: Es ist sehr schwierig für mich, es wieder zu sehen, aber ich habe mich bei Brahmananda erkundigt, ob das Manuskript bereits an die MacMillan Company geliefert wurde oder nicht. Wenn es nicht geliefert wurde, werde ich versuchen, es noch einmal zu sehen. Deine Befürchtung, daß die gesamte Gesellschaft durch Raymonds Bearbeitung der Gita in Gefahr gerät, ist keine sehr passende Bemerkung. Rayarama mag nicht so qualifiziert sein wie du, aber seine einzige Qualifikation, dass er Krishna und seinem spirituellen Meister völlig ergeben ist, ist eine erstklassige Voraussetzung für die Bearbeitung jeder unserer Literaturen, denn die Bearbeitung vedischer Literaturen hängt nicht von der akademischen Ausbildung ab. Es wird in den Upanisaden klar gesagt, dass jemand, der sowohl an Gott als auch an den spirituellen Meister vorbehaltlos vertraut, ihm nur die Bedeutung der vedischen Literatur offenbart wird. Ich denke, dass Rayarama in diesem Geist arbeitet und seine kürzliche Veröffentlichung mehrerer Broschüren und Back to Godhead sowie eines Kalenders sind allesamt erstklassige Beweise für seine Aufrichtigkeit seines Dienstes. Wie auch immer, als ich mit Back to Godhead anfing, war es meine Absicht, dass deine akademische Karriere und Rayaramas aufrichtiger Dienst eine gute Kombination sein würden; leider weiß ich nicht warum, ihr beide Meinungsverschiedenheiten habt. Für mich ist die englische Sprache zweifellos eine Fremdsprache, und ich dachte, dass eure Kombination der Redaktion mir sehr helfen würde. Wie auch immer, was immer geschehen ist, ist geschehen. Ich wünsche, dass das Missverständnis, das im gegenwärtigen Moment vorliegt, durch gegenseitige Zusammenarbeit beseitigt wird und wir mit neuer Energie für den Dienst am Höchsten Herrn neu beginnen können. Ich denke, du stimmst mir zu.

Ich bin dir sehr verbunden, wenn du schreibst, dass du unter meiner Anleitung einige Aufgaben zu erledigen hast. Vielleicht weißt du, dass wir den Srimad Bhagwatam in 60 Teilen fertigstellen müssen, von denen wir nur 3 Teile veröffentlicht haben. Zwei Teile sind bereits in der Presse in Indien. Wir müssen also noch 55 Teile fertigstellen, um den gesamten Text des Srimad-Bhagwatam zu vervollständigen. Ich hoffe nun sehr, dass dies mit deiner guten Zusammenarbeit geschehen wird. Um das ganze Bhagwatam fertigzustellen, benötige ich etwa 40.000 Dollar, von denen ich etwa 12.000 Dollar von Brahmananda, Jayananda und anderen erhalten habe.

Deine Aussage "Ich habe diesen Job in Wilkes-Barre mit der Absicht angenommen, genug Geld zu verdienen, um zu dir nach Indien gehen zu können, denn als du und Kirtanananda nach Indien gegangen seid, dachte ich, dass ihr vielleicht nie wieder in dieses Land zurückkehren würdet, und ich hoffte, euch beiden dort zu folgen." Ja, das war eigentlich vorgesehen, aber Kirtanananda hat alles auf den Kopf gestellt. Nachdem wir Vrindaban erreichten, wurde Kirtanananda zu sehr darauf erpicht, zurückzukehren. Er bestand täglich auf seiner Rückkehr und einmal sagte ich ihm, dass ich kein Geld habe, wie kannst du zurückkehren? Als Antwort darauf sagte er, dass er als amerikanischer Staatsbürger zur amerikanischen Botschaft gehen und von dort Geld nehmen würde um dann zurückzukehren. Ich war dann natürlich verpflichtet, das Geld für seine Rückreise zu besorgen, und weil er sein Programm geändert hat, hat die Gesellschaft praktisch 1200 Dollar sinnlos für seine Reise nach Indien und zurück ausgegeben. Ich dachte, dass ein Teil dieses Geldes zurückgewonnen werden könnte, wenn er nach New York zurückkehren würde, wobei er ein paar Tage in London bleiben würde, um die Möglichkeit zu prüfen, dort allenfalls eine Zweigstelle zu eröffnen. Er stimmte zu, und ich gab ihm ein Einführungsschreiben und das erforderliche Geld für sofortige Ausgaben, aber er hatte keine Absicht, in London anzuhalten, und er ging direkt zu dir. Er war auch sehr eifrig dabei, Sannyas zu nehmen, und ich gab ihm den Sannyas-Orden; und ich wusste nicht, dass er eine Bescheinigung für seine Sannyas wollte. Wir haben nie ein Zertifikat von unserem Spirituellen Meister oder irgendjemandem genommen, aber er sagte mir, dass es für das Predigen erforderlich sei, also gab ich ihm das Zertifikat, aber leider wurde das Ganze durch eine andere Doktrin zerschlagen. Nun wird aus dem Brief von Umapati verstanden, dass Kirtanananda nicht an Parampara oder an die Notwendigkeit der schriftlichen Autorität glaubt. Er scheint zu glauben, dass dies eine Art Tyrannei ist. Das heißt, nachdem er Sannyasa genommen hat und die Philosophie über ein Jahr lang verfolgt hat, hat er die ganze Sichtweise geändert, und ich verstehe nicht, wie du diese neue Doktrin mögen würdest.

Jedenfalls hoffe ich sehr, dass du erpicht darauf bist, nach Indien zu gehen und die Aufgabe unter meiner Führung freiwillig anzunehmen. Ich suche mir einen sehr guten Platz in Vrindaban für die Unterbringung meiner amerikanischen Studenten. Kirtanananda hat das Haus gesehen, das als Jaipur House bekannt ist. Dieses Haus ist in den Händen der Regierung von Rajastan und die Verhandlungen laufen noch immer, und aus der Korrespondenz scheint es begünstigt zu sein. Nun warte ich auf die endgültige Entscheidung; sobald ich die Entscheidung höre, werde ich mit einigen anderen Studenten wieder nach Indien zurückkehren. Und ich würde mich sehr freuen, wenn auch du, wie ursprünglich vorgesehen, nach Indien kommen würdest. Im Krishna-Bewusstsein, wenn man sich an die Prinzipien der Bhagavad Gita hält, gibt es keine Frage von Disharmonie; Disharmonie wird von einigen Schurken aus der Klasse der Unpersönlichkeitsanhänger erzeugt, die versuchen, die Gita anders zu kommentieren. Dr. Radha-krishnan und Gesellschaft gehören zur selben Klasse. Besagte Klasse von Männern hat kein Recht, die Bhagavad Gita zu berühren, weil sie nicht durch das Parampara-System kommen. Ich werde mich freuen, von dir zu hören; wenn du bereit bist, dass nächste wenn ich nach Indien gehe, vielleicht innerhalb der nächsten 4-6 Monate mit mir zu kommen.

Ich würde mich freuen, von dir zu hören, wie sich Kirtanananda von den Verletzungen des Sturzes erholt. Und ich hoffe, dass es dir gut geht.


Dein ewig wohlmeinender,